Landsleute, Mitbürger, Idioten!
Der altgriechische Begriff „Idiot“ (ἰδιώτης, idiōtēs) bezeichnete ursprünglich einen Privatmann, der sich nicht an öffentlichen Ämtern oder politischen Angelegenheiten beteiligte.
Ursprüngliche Bedeutung
In der attischen Demokratie war der Idiotes ein Bürger, der sich um seine eigenen (ἴδιος, idios: „eigenen“) Angelegenheiten kümmerte, im Gegensatz zu Amtsträgern, die im Namen der Polis handelten. Dies implizierte keine intellektuelle Minderwertigkeit, sondern mangelnde Beteiligung am Gemeinwesen – in einer direkten Demokratie wie Athen ein abwertender Hinweis auf Passivität.
Etymologie
Das Wort leitet sich vom Adjektiv ἴδιος („privat, eigen“) ab und stand konträr zu Begriffen wie πολίτης (polites: „Bürger“), der aktiv am öffentlichen Leben teilnahm. Im Hellenismus bezeichnete es auch einfache Soldaten ohne Befehlsgewalt.
Semantischer Wandel
Später verschob sich die Bedeutung über das Lateinische (idiota: „Laie, Unkundiger“) hin zu „ungebildet“ oder „dumm“, was im Mittelalter und in der Medizin (z. B. als Kategorie geistiger Behinderung) fixiert wurde.