Der Lichtjäger – Eine persönliche Hommage an Fatali

Der Lichtjäger – Eine persönliche Hommage an Fatali

Manchmal begegnet man einem Künstler, und man weiß sofort: Das ist keine gewöhnliche Fotografie.

Es war 2003, als ich zum ersten Mal das Atelier von Michael Fatali besuchte – damals noch in der Nähe des Zion National Parks, in diesem merkwürdig schönen Zwischenraum aus rotem Fels, weitem Himmel und wüstentrockener Stille. Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich die ersten großformatigen Cibachrome-Prints vor mir hatte. Nicht Reproduktionen. Originale. Handgemacht, aus großformatigen Diapositiven, in einem aufwändigen Dunkelkammerprozess. Die Farben – dieses tiefe, leuchtende, fast unwirkliche Orange der Sandsteinschluchten, das Blau über den Tafelbergen des Colorado Plateau – schienen nicht fotografiert, sondern destilliert.

2006 war ich noch einmal dort. Und seitdem habe ich Fatali nicht vergessen.


Wer ist Fatali?

Michael Fatali wurde 1965 geboren. Seinen bürgerlichen Namen hat er 2017 offiziell abgelegt und nennt sich seither schlicht Fatali, The Light Hunter – der Lichtjäger. Dieser Name ist keine Marketingerfindung: Er wurde ihm in den frühen 1980er Jahren von Navajo-Indianern gegeben, als er zu den ersten Entdeckern der Slot Canyons im Grenzgebiet von Nord-Arizona und Süd-Utah gehörte. Jene engen, spiralförmig gewundenen Sandsteingänge, von denen heute der Lower Antelope Canyon weltberühmt und überlaufen ist – Fatali war da, als noch niemand mit einem Touristenbus ankam. Er rappelte sich an Seilen hinab in unbekannte Tiefen und fotografierte mit großformatigen Kameras eine Welt, die kaum jemand kannte.

Diese frühe Prägung – Jugendlicher, der nach dem Tod seiner Mutter in der Wildnis Trost und Sinn suchte – erklärt vielleicht, warum seine Bilder nie wie bloße Landschaftsfotografie wirken. Da ist immer etwas Spirituelles, fast Meditatives. Licht ist bei ihm kein technisches Element, sondern ein Erfahrungsobjekt.

Über 40 Jahre durchstreift er nun die Nationalparks und Wildnisgebiete des amerikanischen Südwestens. Zion, Bryce Canyon, Antelope Canyon, The Wave, Capitol Reef – Orte, die viele Fotografen besuchen, aber von Fatali mit einer Intensität und Geduld erfahren werden, die sich in den Bildern niederschlägt.


Großformat und Cibachrome – eine sterbende Kunst

Was Fatali von den meisten Landschaftsfotografen unterscheidet, ist seine konsequente Treue zum analogen Großformat und zum Cibachrome-Prozess (heute auch als Ilfochrome bekannt). Das Cibachrome-Verfahren gilt als eines der farbstabilsten und qualitativ hochwertigsten Printverfahren überhaupt – farbkräftig, kontrastreich, mit einer Brillanz, die kein digitaler Druck reproduzieren kann. Die Diapositive, die Fatali benutzt, sind großformatig (4×5 bis 8×10 Inch), was eine Bildschärfe und Tiefe ermöglicht, die selbst hochauflösende Digitalkameras nicht vollständig erreichen.

Der Prozess ist aufwändig, teuer und weitgehend ausgestorben. Fatali ist einer der wenigen noch aktiven Fotografen, die ihn beherrschen und ihn konsequent für seine Originaldrucke verwenden. Er bezeichnet diese Arbeiten explizit als Photographic Heirlooms – Familienerbstücke, die für Generationen halten.

Ich bin kein Fotograf. Aber ich verstehe, was ich sehe. Und ich weiß, dass ein Fatali-Print an der Wand nicht einfach ein Bild ist. Es ist eine Erfahrung in Farbe und Licht.


Wiederentdeckt

Zwanzig Jahre sind vergangen seit meinem letzten Besuch. Durch Zufall – wie das oft so ist – bin ich kürzlich wieder auf Fatali gestoßen. Eine neue Website, ein neuer Newsletter, ein neuer Name, aber dieselbe obsessive Hingabe ans Licht. Er ist inzwischen umgezogen, das Atelier neben Zion gibt es in dieser Form nicht mehr. Stattdessen betreibt er seine Light Ranch, vergibt Workshops über seine Light Hunter Academy und verschickt einen persönlichen Newsletter (My Light Story), in dem er über seine Reisen, seine Spiritualität und sein Handwerk schreibt.

Die neue Website – lighthunter.com – wirkt anders als alles, was ich in Erinnerung hatte. Weniger Galerie, mehr Biografie. Mehr Mensch, weniger Mythos. Das gefällt mir.


Warum dieser Text?

Ich schreibe das nicht, weil mich jemand darum gebeten hätte, und nicht, weil ich etwas verkaufen möchte. Ich schreibe es, weil manche Begegnungen bleiben. Weil ein Atelier in der Wüste Utahs im Jahr 2003 mein Verständnis davon verändert hat, was ein Foto sein kann.

Fatali ist für mich einer der wichtigsten Landschaftsfotografen des amerikanischen Südwestens – nicht weil er berühmt ist (obwohl er das durchaus ist, mit über 60.000 Sammlern weltweit), sondern weil er konsequent ist. Weil er nicht dem digitalen Mainstream nachgelaufen ist. Weil er sich ein Stück Wildheit bewahrt hat, das man in seinen Bildern spürt.

Wer sich für Landschaftsfotografie, für die Nationalparks des Südwestens oder schlicht für außergewöhnliche Bilder interessiert, dem empfehle ich einen Besuch auf seiner Website – und vor allem: den Newsletter zu abonnieren.


Da ich die Fotografien von Fatali so großartig finde, habe ich ihn angeschrieben und um ein Bild gebeten, das ich als Titelbild für den Blog verwenden darf. Er freute sich sehr über meine Nachricht und auch darüber, welchen bleibenden Eindruck nach so vielen Jahren seine Bilder bei mir hinterlassen hatten. Fatali schickte mir dann gleich eine ganze Auswahl seiner schönsten Aufnahmen und erlaubte mir, sie hier im Blogartikel zu zeigen. Ganz herzlichen Dank dafür!