Die Suche nach Deutschlands Atommüll-Endlager: Bayerischer Wald im Fokus

Die Suche nach Deutschlands Atommüll-Endlager: Bayerischer Wald im Fokus

Der November 2025 markierte einen Wendepunkt in einer über drei Jahrzehnte dauernden Debatte: Am 3. November veröffentlichte die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) ihre neuesten Erkenntnisse zur Standortsuche für Deutschlands hochradioaktiven Atommüll. Die Nachricht schockierte viele Gemeinden im Bayerischen Wald. Heiner Kilger, Bürgermeister der Gemeinde Mauth im Landkreis Freyung-Grafenau, drückte es in einem Interview aus: „Ich war extrem überrascht, nein, im Grunde war ich schockiert." Während er durch Facebook scrollte, entdeckte er auf der neuen BGE-Karte, dass seine Ortschaft plötzlich als möglicher Endlagerstandort in Frage kommen könnte.[sueddeutsche]​

Dies ist kein lokales Problem, sondern eine nationale Herausforderung mit europäischen Dimensionen. Es geht um die endgültige Entsorgung von etwa 27.000 Kubikmeter hochradioaktiver Abfälle aus über 60 Jahren deutscher Atomkraftnutzung – Material, das für eine Million Jahre sicher verwahrt werden muss. Der Bayerische Wald ist plötzlich ins Visier der Endlagersuche gerückt, nicht weil die Region besonders geeignet wäre, sondern weil der Auswahlprozess nach wissenschaftlichen Kriterien funktioniert, die lokale Politik und Bevölkerung ignorieren können.

Der aktuelle Stand der Endlagersuche: Ein Überblick

Das Verfahren zur Suche nach einem Endlager folgt einem strikten wissenschaftlichen Schema. Die BGE arbeitet mit dem sogenannten Standortauswahlgesetz (StandAG), einem Gesetz, das 2016 verabschiedet wurde und einen „lernenden Prozess" vorsieht. Das bedeutet: Immer mehr Gebiete werden systematisch ausgeschlossen, während die Chancen für die verbleibenden Regionen steigen.[bge]​

Im Jahr 2020 veröffentlichte die BGE erste Teilgebiete: 90 Regionen bundesweit wurden als potenziell geeignet eingestuft. Dies entsprach etwa 54 Prozent der deutschen Landesfläche – eine bewusst weit gefasste erste Auswahl. Mit der jüngsten Veröffentlichung vom 3. November 2025 hat sich das dramatisch verengt.[bge]​

Der Arbeitsstand 2025 zeigt:

  • 53 Prozent der ursprünglichen Teilgebietsflächen wurden als ungeeignet oder gering geeignet eingestuft
  • Nur noch etwa 25 Prozent der Bundesfläche bleiben unter Betrachtung[youtube]​
  • Bayern verliert massiv an Fläche, behält aber wenige kritische Gebiete

Im Bayerischen Wald, insbesondere in der Region um Grafenau, Tittling, Thurmansbang und Mauth im Landkreis Freyung-Grafenau, bleibt das Granitgestein weiterhin als „türkis" eingefärbt auf den BGE-Karten – eine Farbe, die bedeutet: Die ersten beiden Prüfschritte der vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen sind abgeschlossen, und die tiefergehende Bewertung beginnt.[blog-der-republik]​

Die geologische Frage: Warum der Bayerische Wald überhaupt eine Chance hat

Auf den ersten Blick erscheint es paradox: Bayern, die konservativste Atomkraft-Region Deutschlands unter Franz Josef Strauß, könnte nun zum Sitz des Atommülls werden. Aber die Wissenschaft hat ihre eigene Logik.

Als potenzielles Wirtsgestein für ein Endlager kommen weltweit hauptsächlich drei Gesteinssorten infrage: Salz, Ton und kristalline Gesteine wie Granit. Deutschland besitzt davon reichlich – das Problem ist nur, dass keine dieser Optionen unangreifbar ist.[ptka.kit]​

Salzformationen (Norddeutschland): Zechsteinsalz ist etwa 250 Millionen Jahre alt und hat geologische Katastrophen überstanden. Allerdings: Salzstöcke können auflösen, und die Salzlösung könnte bei Störfällen austreten.[bge-technology]​

Tonformationen (Norddeutschland, Südwestdeutschland): Tonsteine haben geringe Durchlässigkeit und hohe Rückhaltevermögen für Radionuklide. Sie gelten weltweit als das bevorzugte Medium – die Schweiz und Frankreich setzen darauf.[gfzpublic.gfz-potsdam]​

Granitgestein (Bayern, Baden-Württemberg): Das Kristallingestein des Bayerischen Waldes ist relativ stabil, wenig von Störzonen durchzogen und bietet geografische Isolation. Die BGR-Studie von 1995 nannte das Saldenburger Granit „bedingt als Standort geeignet".hogn+1

Der Haken: Granitgestein hat im Vergleich zu Ton und Salz höhere Durchlässigkeit in klüftigen Bereichen und wird in der wissenschaftlichen Literatur als weniger sicher als Tonstein eingestuft. International setzt kaum jemand auf Granit – Schweden und Finnland verwenden kristalline Gesteine, aber mit erheblichem technischem Aufwand und unter Bedingungen, die mit Bayern nur bedingt vergleichbar sind.[ptka.kit]​

Die bayerische Staatsposition ist eindeutig: Das Bayerische Umweltministerium unter Thorsten Glauber (Freie Wähler) argumentiert seit Jahren, dass es in Bayern keine geologisch sichere Formation für ein Endlager gebe. 2025 wiederholte das Ministerium diese Position mit Nachdruck: „Bayern ist kein geeigneter Standort für ein Endlager. Hier entscheidet Geologie, nicht Ideologie." Die Staatsregierung verweist darauf, dass das Tongestein in Bayern nicht in der erforderlichen Tiefe vorhanden sei, die für ein Endlager nötig wäre.[br]​

Doch die BGE sieht das anders. Und das ist das Problem: Nicht die Staatsregierung entscheidet, sondern am Ende der Bundestag – auf Grundlage von BGE-Empfehlungen und wissenschaftlichen Gutachten.

Die Region: Ein Tourismus-Juwel unter Druck

Um die Dramatik der Situation zu verstehen, muss man den Bayerischen Wald kennen. Dies ist keine industrielle Region, sondern eine der beliebtesten Tourismusdestinationen Deutschlands. Der Wald zieht jährlich Millionen Besucher an – Wanderer, Radfahrer, Naturliebhaber.

Die betroffenen Gemeinden sind klein, ländlich geprägt und wirtschaftlich hochgradig abhängig vom Tourismus. Mauth hat etwa 500 Einwohner, Thurmansbang etwa 1.500. Für diese Orte wäre ein Atommüllendlager nicht nur ein Sicherheitsrisiko – es wäre eine wirtschaftliche Katastrophe.

Die Bürgerinitiative gegen das Endlager beschreibt die Auswirkungen drastisch: Das Endlager würde eine Fläche von etwa 3,6 Quadratkilometern benötigen, betreffen nicht nur einzelne Gemeinden, sondern die gesamte Region. Grundstückswerte würden einbrechen. Der Tourismus würde einfrieren. Die Lebensqualität in der Region – über Generationen aufgebaut – würde zerstört.[hogn]​

Besonders brisant: Die Region ist grenzennah. Saldenburg liegt nur etwa 25 Kilometer Luftlinie von der österreichischen Grenze entfernt. Oberösterreich hat ein vitales Interesse daran, dass kein Endlager in unmittelbarer Nähe entsteht – nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch wegen möglicher Grundwasserverunreinigungen, die über Grenzen hinweg wandern könnten.[heute]​

Österreich hat bereits Erfahrungen mit diesem Problem: Der Skandal um die Atommülllagerstätte Asse in Niedersachsen, die jetzt undicht ist und das Grundwasser gefährdet, zeigt die langfristigen Konsequenzen von schlechter Standortwahl. Wien schaut genau hin – und fragt sich: Warum sollte Deutschland an seiner Ostgrenze ein Endlager bauen, das potenziell österreichisches Wasser gefährdet?[blog-der-republik]​

Die Bürgerbewegung: 30 Jahre Widerstand

Der Widerstand gegen ein Endlager im Bayerischen Wald ist nicht neu. Die Bürgerinitiative gegen ein Atommüllendlager im Saldenburger Granit wurde 1996 gegründet – unmittelbar nach der BGR-Studie von 1995, die das Saldenburger Granit als „bedingt geeignet" eingestuft hatte. Der Gründer und langjährige Vorsitzende war Martin Behringer, damals Bürgermeister von Thurmansbang, heute Mitglied des Bayerischen Landtags (Freie Wähler).wikipedia+1

Die Initiative war lange Jahre ruhig – das Thema war politisch nicht präsent. Doch seit 2020, als die BGE wieder aktiv wurde, intensivierten sich die Bemühungen. Mit einer gut gefüllten Kriegskasse finanzierte die Initiative Gegenstudien, beteiligte sich an öffentlichen Diskussionen und baute ein Netzwerk von Gemeinden, Landkreisen und Politikern auf, die alle ein klares Ziel haben: Bayerischer Wald? Nie.

Martin Behringer beschreibt die Strategie der Initiative: „Es geht uns nicht darum, mit Pauken und Trompeten zu protestieren, sondern sachlich und fachlich über mögliche Risiken und Folgen aufzuklären und finanzielle Mittel für etwaige Gegen-Studien bereitzuhalten. Aber ja, wenn es hart auf hart kommt, sind wir auch zu friedlichen, öffentlichen Protestaktionen bereit!"[hogn]​

Die Initiative verweist auf historische Erfolge des Widerstands in der Region:

  • Wackersdorf (1980er): Mehr als 8.000 Menschen protestierten gegen eine Wiederaufarbeitungsanlage. Die Proteste waren erfolgreich – Wackersdorf wurde nicht gebaut.[onetz]​
  • Mitterteich (1981-1985): Über 8.000 Menschen gingen auf die Straße gegen ein Atommülllager. Bürgerbeiräte und Transparenz waren das Resultat.[onetz]​
  • Gorleben (1977-2020): Jahrzehnte Widerstand gegen das geplante Endlager führten schließlich 2020 zur Ausschließung Goreblens – trotz jahrzehntelanger Erkundung und Milliardeninvestitionen.[zeit]​

Diese Geschichte zeigt: Widerstand in Deutschland kann funktionieren. Allerdings auch: Der Preis ist hoch, und die Zeit ist lang.

Die politischen Positionen: Ein Patchwork aus Widersprüchen

Die politische Landschaft rund um das Endlager-Thema ist fragmentiert und teilweise widersprüchlich.

Die Bayerische Staatsregierung unter Söder (CSU)

Markus Söder fällt in dieser Debatte aus dem üblichen Muster heraus. Der CSU-Ministerpräsident hat sich seit 2017 als Verfechter neuer Atomtechnologie positioniert. Er fordert die Reaktivierung der zuletzt abgeschalteten Atomkraftwerke Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 und investiert 100 Millionen Euro in Fusionsforschung.staatsanzeiger+1

Gleichzeitig hat Söder die Endlagerdebatte aufgekündigt. Seine Argument: Das alte Paradigma, wonach ein Endlager für eine Million Jahre sicher sein müsse, sei obsolet. Mit neuen Technologien wie Transmutation könnte Atommüll reduziert werden – und dann bräuchte man nur noch ein Lager für 800 Jahre Sicherheit statt einer Million Jahre. Ferner argumentiert Söder, dass Technologien der dritten und vierten Generation sowie kleine, modulare Reaktoren (SMR) die ganze Gleichung verändern würden.zeit+1

Dies ist eine geschickte Position: Sie ermöglicht es Söder, zugleich pro-Atom und gegen ein Endlager im Bayerwald zu sein. Die Staatsposition zum Endlager-Standort bleibt: Bayern ist nicht geeignet.[br]​

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler)

Glauber vertritt konsequent die Position, dass es in Bayern keine geologisch sichere Formation für ein Endlager gebe. Er hat sich bewusst gegen die BGE positioniert und kritisiert das ganze Suchverfahren als „Kosten und Verunsicherung" bringend.fw-bayern+1

Glauber kritisiert auch die Ausschließung Goreblens, dem bestuntersuchten Standort Deutschlands. Seine Logik: Wenn Gorleben nicht sicher ist, warum sollte das weniger erforschte Granitgestein in Bayern sicherer sein? Diese Argumentation hat Gewicht, zeigt aber auch ein tiefes Misstrauen gegenüber der BGE-Methodik.

Die Freien Wähler (Landtag)

Martin Behringer, der Vorsitzende der Bürgerinitiative und nun Landtagsabgeordneter, nutzt seine neue Position konsequent. Die Freien Wähler sind clear and consistent gegen einen Endlager-Standort im Bayerischen Wald, argumentieren wissenschaftlich und mit lokal-ökonomischen Gründen.

Die Grünen: Die unbequeme Position

Dies ist die interessanteste und in vielerlei Hinsicht problematischste Position. Die Grünen sind historisch eine Anti-Atom-Partei. Doch ihre Position zur Endlagersuche ist differenziert – und spaltet die Grünen intern.

Bundesebene (Robert Habeck): Habeck argumentiert pragmatisch, dass sich Regierungsverantwortung auch bedeutet, den sichersten Standort zu akzeptieren, selbst wenn dieser im eigenen Wahlkreis liegt. Er sagt offen: „Wenn der sicherste Standort für die Endlagerung in meinen Wahlkreis ist, stelle ich mich hin und sage: Es ist nicht schön, aber dann muss es hier sein."[afd-passau]​

Lokale Grüne: Der grüne Landtagsabgeordnete Anton Schuberl aus der Region weigert sich, sich klar gegen Saldenburg zu positionieren und sagt, er habe für dieses Thema „keine Zeit". Dies führte zu Frustration bei lokalen Akteuren, insbesondere dem Bürgermeister Behringer, der erwartet hätte, dass die Grünen klarer Stellung beziehen.[afd-passau]​

Die AfD

Die AfD positioniert sich gegen ein Endlager in Bayern und fordert stattdessen mehr Forschung in Transmutation und alternative Entsorgungsmethoden. Dies ist eine interessante populistische Position – gegen das Endlager, für Forschung – ohne konkrete Alternativen zu bieten.[afd-passau]​

Der Bundestag als finaler Schiedsrichter

Letztendlich wird der Bundestag entscheiden. Das Standortauswahlgesetz schreibt vor, dass der Gesetzgeber die finale Entscheidung trifft, nicht die BGE. Die BGE berät, die BASE (Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung) prüft, aber die politische Entscheidung bleibt beim Bundestag.[bge]​

Dies bedeutet: Eine Entscheidung für den Bayerischen Wald wäre politisch sehr schwierig, wenn nicht unmöglich, wenn Bayern und die betroffenen Gemeinden massiv dagegen mobilisieren. Aber es ist auch nicht auszuschließen, dass der Bundestag irgendwann beschließt, dass es keine bessere Alternative gibt als das Granitgestein.

Die Chancen auf politische Durchsetzung: Szenarien

Szenario 1: Ein Endlager im Bayerischen Wald – wie könnte das funktionieren?

Für die BGE ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie Standorte im Bayerischen Wald empfiehlt, realistisch. Die wissenschaftlichen Kriterien sind erfüllt – Granit ist zwar nicht optimal, aber nicht ausgeschlossen. Wenn die BGE Ende 2027 ihre Standortregionen vorstellt und der Bayerische Wald dabei ist, beginnt die Politik.blog-der-republik+1

Dann müsste der Bundestag 2040-2046 entscheiden. Ein großflächiger lokaler, regionaler und internationaler Widerstand hätte dann eine Chance:

  • Österreich könnte diplomatischen Druck ausüben.
  • Der Tourismus könnte politische Lobbying-Macht entwickeln.
  • Millionen Protestierende könnten mobilisiert werden (wie in Gorleben oder Wackersdorf).
  • Wissenschaftler könnten Gegenstudien vorlegen.

Chancen auf Verwirklichung: Moderat bis gering (30-40%), abhängig davon, ob es bessere Alternativen in Deutschland gibt.

Szenario 2: Ein Endlager woanders – Norddeutschland

Norddeutschland bleibt großflächig zur Untersuchung. Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern haben Tonformationen, die wissenschaftlich besser sind als Granit. Der Nachteil: Norddeutschland ist dichter besiedelt, hat aber auch lange mit dem Thema umgegangen (Gorleben).[ndr]​[youtube]​

Chancen auf Durchsetzung andernorts: Höher (50-60%), aber nicht garantiert.

Szenario 3: Der Status quo – ewige Zwischenlagerung

Wie die aktuelle Krise um Schacht KONRAD zeigt, könnte es auch so kommen, dass Deutschland keinen Ort findet, der politisch durchsetzbar ist, und die Zwischenlagerung einfach fortbesteht. Dies wäre eine Katastrophe für die Bevölkerung um die Zwischenlager, aber möglicherweise das politisch einfachste Szenario.[br]​

Chancen: Hoch (60-70%), wenn keine Region durchsetzen kann.

Befürchtungen und Chancen: Eine Pro-Contra-Analyse

Contra: Die Ablehnung überwiegt deutlich

Geologische Argumente gegen das Granitgestein im Bayerischen Wald:

  • Tonstein und Salzformationen sind international als sicherer anerkannt.
  • Granitgestein hat höhere Durchlässigkeit in klüftigen Bereichen.
  • Die bayerische Staatsposition, dass es keine sichere geologische Barriere gebe, ist fundiert.

Wirtschaftliche und soziale Argumente:

  • Ein Endlager würde die Tourismuswirtschaft zerstören.
  • Grundstückswerte würden einbrechen.
  • Die Lebensqualität in einer ländlichen, naturgebundenen Region würde fundamentale Schäden erleiden.

Internationale Argumente:

  • Österreich würde politischen Druck ausüben.
  • Grundwassergefährdung könnte über Grenzen hinweg wirken.
  • Präzedenzfall für andere grenznahe Standorte.

Historische Argumente:

  • Der Widerstand in der Region ist organisiert und mit Kriegskasse ausgestattet.
  • Erfolgreiche Beispiele (Wackersdorf, Gorleben) zeigen, dass Widerstand funktionieren kann.

Pro: Die wissenschaftlichen und notwendigen Argumente

Wissenschaftliche Argumente:

  • Granitgestein ist geologisch nicht ganz ausgeschlossen.
  • Der Bayerische Wald ist seismisch stabil.
  • Das Gestein ist relativ wenig von Störzonen durchzogen.

Pragmatische Argumente:

  • Deutschland muss irgendwo einen Ort für Atommüll finden.
  • Es gibt keine perfekte Lösung – jeder Standort wird Opposition haben.
  • Wenn Ton- und Salzformationen in Norddeutschland auch Widerstand erfahren, könnte am Ende gar nichts gehen.
  • Dezentralisierung des Endlagers könnte ein Kompromiss sein: mehrere kleinere Endlager statt eines zentralen.

Söders Argument:

  • Mit neuen Technologien (Transmutation, SMR, Fusion) könnte die ganze Debatte sich in 10-20 Jahren verändern.
  • Ein Endlager, das „nur" 800 Jahre statt einer Million Jahre sicher ist, könnte ausreichend sein, wenn neue Entsorgungsmethoden sich später entwickeln.

Fazit: Ein unlösbares Trilemma

Das Atommüll-Endlager im Bayerischen Wald ist ein Fall eines klassischen Trillemas:

  1. Wissenschaftliche Anforderung: Es braucht einen Ort, der geologisch geeignet ist. Der Bayerische Wald erfüllt minimale Kriterien, auch wenn nicht optimal.
  2. Politische Realität: Die betroffene Region, die Bundesländer (Bayern, Österreich) und die organisierten Bürgerinitiativen werden massiven Widerstand leisten.
  3. Nationale Notwendigkeit: Deutschland braucht eine Lösung, kann aber Millionen Menschen nicht einfach überfahren.

Die wahrscheinlichsten Szenarien sind:

  • Mittelfristig (2030er-2040er): Ein anderer Standort wird empfohlen, z.B. in Norddeutschland, doch auch dort entsteht Widerstand.
  • Langfristig (2040er-2050er): Entweder findet Deutschland einen politisch machbaren Kompromiss (möglicherweise mit dezentralisierten kleineren Lagern), oder es bleibt bei der Zwischenlagerung.
  • Wildcard: Söders Transmutations-Technologie oder andere innovative Lösungen könnten das Problem entschärfen – oder sich als Sackgasse erweisen.

Für den Bayerischen Wald bedeutet dies: Die nächsten zwei bis drei Jahre (bis Ende 2027, wenn die BGE ihre Standortregionen vorstellt) werden entscheidend. Der Widerstand ist organisiert, die Chancen sind nicht hoffnungslos – aber auch nicht garantiert. Die Region, die sich seit 30 Jahren gegen ein Endlager wehrt, wird nun die Ergebnisse ihrer Mobilisierung sehen.


Quellen und Verweise:
Die vorliegende Analyse basiert auf Stellungnahmen der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), des Bayerischen Umweltministeriums, lokalen Bürgerinitiativen und wissenschaftlichen Gutachten zur Endlagerung radioaktiver Abfälle in Deutschland. Weitere Informationen finden sich auf der Website der BGE und des Forums Endlagersuche.

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